Friss oder Stirb!

“Wir leben in einer Friss-oder-Stirb-Gesellschaft.” Wie oft genau ich diesen Satz mittlerweile gehört habe, kann ich nicht mehr hochrechnen, aber irgendwie scheint es die Weltanschauung von sehr vielen Leuten geworden zu sein. Friss oder Stirb? Irgendwie scheinen das dazu noch viele Leute zu Ernst zu sehen.

Wie eigentlich immer, wenn nicht gerade die griechische Mythologie beschworen wird, gibt es einen Abnehm-Trend. Okay und spätestens wenn es um meine Problemzonen geht, spalte ich offensichtlich die Gemüter. Ich kann mich über meinen Körper nun wirklich nicht beklagen – zumindest sagt mir das jeder, den ich frage… denn im Gegensatz zu irgendwie jedem, den ich kenne, fühlt sich meine Nahrungstonne fühlbar mehr wie Wackelpudding, als nach Hammelfleisch an. Wenn man nun in der Öffentlichkeit preisgibt, weniger essen zu wollen oder etwas an der Figur zu arbeiten, schreien die Geister der Dreifaltigkeit: “Bist du verrückt?” “Hör bloß nicht auf die Medien!” oder – super beliebt: “Wo willst du denn bitte abnehmen?”

Im Gegensatz zu diesen lipophilen Lippenbekenntnissen scheint aber trotzdem keiner aufhören zu wollen, sich den Mund über “Pummelchen”, pralle Vollweiber oder Cellulite-Träger zu zerreißen. Meine Frage: Steckt die Gesellschaft wieder mal im Gemüsemahler der Doppelmoral fest?

Beispiele? Eine Freundin mit einer Vorliebe für… eigentlich jedes Essen möchte gerne Abnehmen – und das ziemlich radikal – und wird von ihrem Umfeld, wie sollte es auch anders sein, komplett zerrissen. Ist es da nicht komisch, dass sie dann Beinamen wie “ach, du meinst das Pummelchen?” oder “die Dicke” bekommt? Irgendwie wirkt das doch schon sehr merkwürdig, wenn man darüber nachdenkt, oder?
Geben wir uns alle vielleicht etwas zu sehr der Doppelmoral hin? Von wem kann man denn dann noch eine neutrale Bewertung erfahren? Scheinbar hilft selbst das Internet nicht weiter,… unseriöse Seiten und User, die sich ganz einfach hinter einer Alias verstecken können, scheinen keine brauchbare Alternative…

Meint ihr, dass Menschen, die mit Gewicht und Figur ihr Geld verdienen, sprich Hausärzte im Ernährungsberatungssystem oder Fitness-Coaches im Fitnesstudio weiterhelfen können – und wenn ja, sind sie eine verlässliche Quelle einer objektiven Meinung?
Kennt ihr diese Situationen auch; wie steht ihr zu solchen Kommentaren?

Um auch die andere Seite der Medaille zu zeigen, gibt es durchaus ja auch Menschen, die sich ständig über ihr Gewicht beklagen, um Kommentare zu erhaschen und sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken. Traurigerweise kenne ich selbst auch genügend Beispiele für dieses Thema.



Wie du mir, so ich dir?

Doppelmoral

Es geht mal wieder um eine typische Alltagssituation. Einkaufen. Ich und zwei weitere Personen, die sich Klamotten ausgucken. Ich werde nach einer Meinung gefragt, gebe meine Stellung dazu ab und bekomme folgenden Kommentar zu hören: “Es wollen nicht alle Leute so scheiße aussehen, wie du!”. Harter Tobak? Scherz? Ich schätze, dass sich an solchen Kommentaren die Geister spalten. Mal angenommen die besagte Person ist nun nicht grundauf böse, will also nur Spass machen – müsste es sich dann nicht von selbst verstehen, dass diese Person es verkraften müsste, wenn sie ähnliche Sprüche um die Ohren bekommt? Um alles vorwegzunehmen: Nein. Denn wieviele Menschen ich auch zu dem Thema befrage, erhalte ich immer das gleiche Erfahrungsmuster: Leute können das, was sie austeilen, nicht einstecken – und wenn man sie darauf anspricht, werten sie ihre eigenen Gemeinheiten ab oder es kommt der Satz: “Du kannst einfach keine Kritik vertragen”.

Ist das wirklich so?

Nachdem mir dieses Muster ein paar Mal über den Weg gelaufen ist, wie eine Ziege, die sich in der Großstadt auf dem Blumenmarkt rumtreibt, beschloss ich, das Thema mal mit insgesamt 25 Personen zu besprechen und bei allen kam immer das selbe Muster auf. Scheinbar können alle keine Kritik vertragen, oder die Rechtfertigung der eigenen Gemeinheit läuft nach dem Prinzip der Selbsterhaltung ab, welches Alina bereits hier erklärte.

Wieso versuchen sich die Menschen dann nicht einfach am Riemen zu reißen und das, was andere offensichtlich stört, zu unterlassen – oder, wenn es zurück kommt, anzusprechen? Menschen wählen erfahrungsgemäß ja immer den kürzesten Weg des Umstands – und offensichtlich hat das des Öfteren einen Supergau auf der Missverständnisautobahn zur Folge.

Wie sicherlich jeder weiß, ist Kritik die Reflektion eines Gegenstandes, beispielsweise einer Handlung. Muss diese Kritik immer beleidigend oder herablassend sein? Ganz oft habe ich auch schon die Rechtfertigung “hmm… wieso? Ich bin doch nur/wenigstens ehrlich!”

Die Rache

“Rache ist eine Handlung, die den Ausgleich erlittenen Unrechts bewirken soll.” Und wenn die sinneigene Justuzia im Kopf ihre Waage so schräg stellt, wie Daniel Küblböck früher* Töne gesungen hat, ist ein Konterfei sondergleichen unabdingbar. Und es scheint, rein objektiv, Menschen als unglaubwürdig oder Fehl-am-Platze Rache zuspüren, aber ausgehend von der Ausgangslage ist dies scheinbar nicht verwerflich. Resultiert dadurch nicht ein unglaubliches Konfliktpotenzial? Der Nexus der Zickereien und Streitereien?

Vielleicht wäre es an dieser Stelle wieder einmal von Vorteil, sein eigenes Verhalten in Alltagssituationen zu überdenken, rational zu beurteilen und danach chlüsse zu ziehen. Kennt ihr diese Situationen?

* (jetzt nicht mehr, denn er hat sich eine repektable Karriere erarbeitet- und Gesangsstunden genommen)



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