Still in love with you?

Es ist irgendwie lustig. An jedem Weiberabend, Mädelsabend, DVD-Abend, Cocktailabend – wir merken schon, die Liste lässt sich beliebig erweitern – hat sich irgendjemand in irgendjemand anderen verliebt. Es ist ein immer aktuelles, omnipräsentes Thema – nur mit wechselnden Hauptdarstellern. Und natürlich ist auch die Retroperspektive immer wieder ein schönes Thema:  Die erste große Liebe.

Allein die Tatsache, dass ich eine unabhängige Singlefrau bin, setzt voraus, dass es mit der ersten großen Liebe nichts wurde. Was jedoch genau so alltäglich zu sein scheint, wie sich für die erste große Liebe zu schämen. Weichei? Supermacho? All das sind Formen, Stereotypen, die der Allererste einnimmt. (Wenn er gleich alle Stereotypen einnimmt, stellt sich hier die Frage, ob Du nicht vielleicht dauerbekifft gewesen bist!)

Wir beginnen also im kleinen Frauenkreis zu reflektieren, ja sogar abzuwägen, wer den schlechtesten Start ins Liebesglück hatte und lange Zeit dachte ich sogar, ich sei es gewesen. Monatelang war ich ihr hinterher gelaufen, der großen Liebe, die sich vor mir aufbarg, wie eine große, mächtig Pyramide, mit göttischer Verehrung vergleichbar. Dieser Zufall, dass man den Menschen, den man so überhebte, dass er im zwielichtigen Stage Rider auszusehen schien wie ein Engel. Das die 4-Augen-Fahrt im Breakdancer die wohl größte Errungenschaft meines Lebens sein könnte.

2 Monate später: Erwachen. Mitlerweile hatte sich das Verhältnis in eine einverständliche Freundschaft entwickelt, die mich mehr und mehr nervte… je mehr der Goldstaub der Pupertät verflog und ich merkte, dass weniger YSL-Goldstaub, als vielmehr dreckiger Hundekot sein Anlitz strahlen lies, wusste ich, dass ich mehr als genervt war. Besonderes Bewusstsein dafür entwickelte ich in dieser einen Nacht. Schon die Hinfahrt zur Party war mehr als schwierig, aber nachdem ich nach einem ellenlangen Vortrag, wie er der Mittelpunkt seiner eigenen Beziehung sein müsse und wie sehr der Partner ihm doch zu folgen hätte, folgte, erfreute ich mein Gemüt an viel zu lauter Clubmusic, Flashing Lights and broken Bottles auf dem Dancefloor. Ein paar Stunden später landeten wir im Bett. Nein, natürlich nebeneinander. Wir hatten nie was miteinander und ich wollte nur schlafen.  Ich war fertig, müde, erschöpft, abgefeiert, lag ihm Bett seines Arbeitskollegen, welches unguter Weise auch noch mit Wasser gefüllt war. In der Zwischenzeit hatte er mich zu seinem BFF erkoren und redete unentwegt auf mich ein. Nichtmal gelangweilte schlafende “hmm… ja..” und ähnliche Gräusche die man von sich gibt, kurz bevor man in einen 20 stündigen Schlaf fällt, schreckten ihn nicht ab.

Vier Jahre später, etliche Dates und Erzählungen an Weiberabenden usw. merkte ich, dass mir das ganze garnicht peinlich sein musste. Meine erste große Liebe war weder ein orthodoxer Jude, kein verrückter Psychpath, kein Fremdgeher, kein Gangster-Rapper, kein Physik-und-Mathe-Student, kein Nerd, er war einfach nur langweilig… in seiner Gesamtheit schlichtweg langweilig.

Ich bin beruhigt, erhebe mein Weinglas und warte darauf, bis eine Freundin mit ihrer Geschichte der ersten großen Liebe beginnt.



1 Kommentar zu “Still in love with you?”

  1. Mrs.Nitroglycerine sagt:

    Herrlich! ♡