Liebestöter

Feinripp. Meistens wird dieses Gewebe im gleichen Atemzug wie die Bezeichnung “Liebestöter” gebraucht. Aber diesmal beschäftigen wir uns nicht mit der Frage, wer diese Sorte ungeliebter Unterwäsche erfunden hat, noch weniger mit der Frage, wer diese trägt als vielmehr damit, wie man sprichwörtlich die eigenen Gefühle mit einem großen Flitzebogen erschießen kann.

“How to deal with emotions…” dürfte, wenn es so ein Buch gäbe, bei Frauen wohl der ungeschlagene Verkaufsklassiker bei Amazon und beim Kindle sein und auch in der Realität sind wir immer wieder mit der Frage konfrontiert: “Wie zum verfickten Scheißteufelsarsch soll ich denn damit jetzt umgehen?”. Hier ein Beispiel: Eine Freundin wird seit Monaten immer wieder mit einem ihrer Ex-Freunde konfrontiert. Ob beim Ausgehen, per SMS (weil er sich kurzerhand dazu entschlossen hat, sie mit unglaublich fürsorglichen SMS zu bombadieren), beim Einkaufen oder einfach, wenn man bei Leuten mit dem gleichen Freundeskreis eingeladen wird. Ein muster spielt sich dabei immer wieder ab: Einer der beiden will reden. Ein Gespräch anfangen – selbst wenn es nur die Statusabfrage “Wie geht’s?” ist. Und immer wieder befinden wir uns in der selben Abwärtsspirale. Nicht verdaute Gefühle.

Man will es nicht. Vielleicht hat man sich irgendwann, irgendwo, irgendwie auf Freundschaft geeinigt. Vielleicht nicht. Wer weiß das im Einzelfall von gefühlsgeblendeten Emotionsentscheidungen noch so recht? Wie dem auch sei, findet man sich plötzlich eingesperrt in einer Industrieküche voller dänischer Salate, bei denen man vor lauter Lebensmittelfarbe man die einzelnen Zutaten nicht mehr entscheiden kann. Und nun die Frage: Wie picke ich da die Nüsse, die mir nicht gut tun, raus?

Nun steht einer der Parteienpartner da und weiss nicht, wie er/sie reagieren soll. Ablehnung? Kontaktschluss oder doch das “sich-selber-quälen-bis-es-geht”? Bücher, Ratgeber, Kolumnisten sagen immer wieder “out of sight, out of mind.” Aber durchaus erlebe ich immer wieder Fälle. in denen sich “gescheiterte Hoffnungen” (ja, dies ist tatsächlich eine Anspielung auf Caspar David Friedrich) erfolgreich zusammenrotten und als Symbiose die wunderbarsten, unkompliziertesten Freundschaften ergeben. Aber ist das alles wirklich so einfach?

Oder fühlt man sich doch wie in Super Mario, wo man alle 150 Sterne sammeln muss, bevor man wirklich mal die Prinzessin  retten kann? Ich stricke diese Metapher mal weiter: Belügen wir uns selbst, wenn wir erst die Hälfte der Sterne gesammelt haben und kommen, wenn wir sie einlösen wollen, letztenendes doch nur zu der Bestie, die es verhindert, dass wir zum Ziel, das wir erreichen wollen, kommen?

Leider gibt es keine Verallgemeinerung, was es bedeutet, alle Sterne zu sammeln und letztendlich das Ziel zu erreichen – aber gibt es Indikatoren dafür? Ist Gleichgültigkeit ein Zeichen dafür, dass Gefühle aus dem Spiel sind und man bereit ist, einen normalen, geregelten Kontakt aufzunehmen? Oder ist es ein Zeichen dafür, dass man sich selbst entfremdet und einen Schritt näher der winterlichen Gefühlskälte gekommen ist? Die Frage, die mir ein guter Freund gestern stellte ist: “Wo ist das good in goodbye?” Was sind eure Meinungen und Erfahrungen zu dem Thema? Funktioniert eine einseitige Freundschaft oder sind solche Unterfangen immer zum Scheitern verurteilt?